Behörden · Finanzen

Brief vom Finanzamt — was jetzt?

Du machst den Briefkasten auf, ziehst einen offiziellen Umschlag raus, oben steht Finanzamt. Erstmal Schluck Luft. Die meisten Briefe vom Finanzamt sind harmloser, als sie aussehen — aber fast alle haben eine Frist. Hier ist, was zu tun ist.

Aktualisiert: 21. Mai 2026 · Lesezeit: 5 Min · Kategorie: Behörden

Was für ein Brief ist das überhaupt?

Das Finanzamt schreibt dich aus verschiedenen Gründen an. Meistens ist es einer dieser fünf:

Was es ist, steht oben links im Betreff. Etwa „Bescheid für 2024 über Einkommensteuer“ oder schlicht „Mahnung“.

Wie der Brief üblicherweise aufgebaut ist

Jeder Finanzamt-Brief hat ungefähr die gleichen Felder. Wenn du diese kennst, brauchst du keinen Übersetzer:

Steuernummer
Deine persönliche Nummer beim Finanzamt, steht oben rechts. Format: 12/345/67890. Das ist nicht das Gleiche wie die Steuer-ID (die hat 11 Ziffern).
Datum oben rechts
Wichtig für die Frist. In vielen Fällen drei Tage nach diesem Datum gilt der Brief offiziell als zugestellt — auch wenn du ihn erst eine Woche später aus dem Briefkasten holst.
Festsetzung
Was rauskommt. Eine positive Zahl heißt: du musst zahlen. Eine negative Zahl mit Minuszeichen oder „zu Ihren Gunsten“ heißt: du bekommst Geld zurück.
Fälligkeit
Bis wann das Geld auf dem Konto des Finanzamts sein muss. Bei Nachzahlungen meistens ein Monat.
Bankverbindung
Das Konto, auf das du überweisen sollst (steht nur bei Nachzahlungen). Als Verwendungszweck immer deine Steuernummer angeben — sonst landet die Zahlung im Nirgendwo.
Rechtsbehelfsbelehrung
Der kleingedruckte Absatz ganz unten. Erklärt dir, dass du einen Monat Zeit für einen Einspruch hast.

Typische Schritte zum Prüfen

Geh diese fünf Schritte durch, dann ist der Brief erledigt:

  1. Frist eintragen. Briefdatum + 3 Tage + 1 Monat. Pack das Datum ins Handy-Kalender, mit Erinnerung eine Woche vorher.
  2. Daten prüfen. Stimmt dein Name, deine Adresse, die Steuernummer? Stimmt der Betrag mit dem überein, was du erwartet hast? Wurden alle Kosten anerkannt, die du abgesetzt hast?
  3. Entscheiden: einverstanden oder nicht? Wenn alles passt, überweise einfach (oder warte auf die Erstattung). Wenn etwas fehlt, falsch ist oder dir komisch vorkommt — leg Einspruch ein.
  4. Einspruch einlegen (falls nötig). Geht formlos, ein Satz reicht: „Hiermit lege ich Einspruch gegen den Bescheid vom [Datum] ein, Steuernummer [...].“ Per Brief, Fax oder über ELSTER. Die Begründung kannst du in den nächsten zwei Wochen nachreichen.
  5. Bezahlen oder stunden. Wenn du nachzahlen musst und das Geld da ist: überweisen, fertig. Wenn du es nicht stemmen kannst: schreib formlos eine Bitte um Stundung (Aufschub) oder Ratenzahlung. Das Finanzamt sagt fast immer ja, wenn du es früh genug fragst.

Die 3-Tage-Regel. Briefe vom Finanzamt gelten in vielen Fällen drei Tage nach dem Datum oben als zugestellt. Egal, wann du sie tatsächlich liest. Die Einspruchsfrist startet ab diesem fiktiven Zustelldatum. Wer zwei Wochen im Urlaub war und den Brief erst danach öffnet, hat schon zwei Wochen verloren.

Was üblicherweise passiert, wenn nicht reagiert wird

Nicht zu reagieren kann teuer werden. Was konkret passiert, hängt vom Brieftyp ab:

Wann lohnt sich ein Steuerberater?

Für einen einfachen Einspruch oder eine normale Mahnung brauchst du keinen. Wann es trotzdem sinnvoll ist:

Erstberatung kostet zwischen 100 und 200 €. Das ist meistens günstiger, als wenn du etwas Falsches unterschreibst.

Häufige Fragen

Was passiert, wenn ich auf einen Finanzamt-Brief gar nicht reagiere?

Steuerbescheid wird nach einem Monat endgültig, auch wenn er falsch ist. Bei offener Nachzahlung kommen 1 % Säumniszuschlag pro Monat drauf, danach Vollstreckung — also Gerichtsvollzieher oder Kontopfändung. Bei einer Anfrage schätzt das Finanzamt deine Einkünfte und du zahlst auf die Schätzung.

Wie viel Zeit habe ich für einen Einspruch?

Einen Monat ab Zustellung. Zustellung heißt: in vielen Fällen drei Tage nach dem Datum, das oben auf dem Brief steht. Wenn der Brief vom 5. März ist, gilt er am 8. März als zugestellt, und die Frist läuft am 8. April ab.

Muss ich üblicherweise für einen Einspruch zu einem Steuerberater?

Nein. Ein Einspruch ist formlos. Ein Satz mit „Hiermit lege ich Einspruch gegen den Bescheid vom [Datum] ein, Steuernummer [...]“ reicht. Die ausführliche Begründung kannst du innerhalb von zwei Wochen nachreichen.

Ich verstehe den Brief auf Deutsch nicht. Was tun?

Mach ein Foto vom Brief mit der Postera-App. Du bekommst eine Zusammenfassung in deiner Sprache mit allen wichtigen Punkten: Frist, Betrag, was zu tun ist.

Wie unterscheide ich einen Steuerbescheid von einer Mahnung?

Im Betreff oben links. „Bescheid über …“ ist ein Steuerbescheid (kommt zuerst, hat noch Einspruchsfrist). „Mahnung“ oder „Zahlungserinnerung“ heißt: die Schuld ist schon offen und überfällig. Eine Mahnung kannst du nicht mehr per Einspruch anfechten — nur noch bezahlen oder Stundung beantragen.