Recht

Abmahnung erhalten — Schritt für Schritt

„Abmahnung“ — schon das Wort macht Angst. Tatsache ist: nicht jede Abmahnung ist gerechtfertigt, und fast jede ist im Detail verhandelbar. Was üblicherweise vermieden wird: blind unterschreiben oder den vollen Betrag zahlen, ohne zu prüfen. Hier ist eine schnelle Übersicht über die drei häufigsten Arten.

Aktualisiert: 21. Mai 2026 · Lesezeit: 7 Min · Kategorie: Recht

Die drei Hauptarten

1. Filesharing-Abmahnung

Brief von einer Anwaltskanzlei (z.B. Waldorf Frommer, .rka). Vorwurf: du hast über BitTorrent einen Film, Serie oder Spiel illegal heruntergeladen. Sie verlangen Unterlassungserklärung + Schadensersatz, meistens 800–1500 €.

2. Wettbewerbsrechtliche Abmahnung

Meistens an Selbständige, kleine Online-Shops, Vereine. Vorwurf: du hast etwas falsch gemacht (Impressum fehlt, Datenschutzerklärung unvollständig, irreführende Werbung). Unterlassungserklärung mit hoher Vertragsstrafe + Anwaltskosten.

3. Arbeitsrechtliche Abmahnung

Vom Arbeitgeber. Vorwurf: Vertragsverletzung (zu spät kommen, Aufgaben nicht erledigt, Pflichtverletzung). Keine direkte Geldforderung, aber: eine Abmahnung ist oft die Vorbereitung für eine spätere verhaltensbedingte Kündigung.

Was üblicherweise vermieden wird

Bei Filesharing-Abmahnung: Niemals den vorgelegten Vergleichsangebot unterschreiben, selbst wenn es „billiger“ aussieht. Suche dir einen auf Urheberrecht spezialisierten Anwalt (Erstberatung ~200 €). Die Verbraucherzentralen haben gute Listen.

Wie üblicherweise reagiert wird

Bei Filesharing

  1. Frist im Brief notieren (meistens 1–2 Wochen).
  2. Anwalt suchen — spezialisiert auf Filesharing/Urheberrecht.
  3. Modifizierte Unterlassungserklärung schicken (Anwalt erstellt), wenn du es tatsächlich warst.
  4. Verhandeln über den Schadensersatz — meist 100–300 € realistisch, nicht 1500.

Bei wettbewerbsrechtlicher Abmahnung

  1. Vorwurf prüfen — stimmt der konkrete Fehler?
  2. Wenn ja: Fehler möglichst zeitnah beheben (z.B. Impressum vervollständigen).
  3. Modifizierte Unterlassungserklärung abgeben.
  4. Anwaltskosten: nur die berechtigte Höhe zahlen (oft Streitwert auf 1.000 € begrenzt → ~250 € Anwaltskosten).

Bei arbeitsrechtlicher Abmahnung

  1. Vorwurf prüfen — ist er konkret beschrieben (Datum, Vorfall)?
  2. Gegendarstellung schreiben — sachlich, mit deiner Sicht.
  3. Verlangen, dass die Gegendarstellung in die Personalakte aufgenommen wird.
  4. Bei unberechtigter Abmahnung: schriftlich Entfernung aus der Personalakte verlangen.

Was passiert, wenn du gar nichts machst?

Filesharing

Wettbewerbsrechtlich

Arbeitsrechtlich

Häufige Fragen

Wie viel sollte ich für einen Anwalt bei einer Filesharing-Abmahnung ausgeben?

Erstberatung 100–200 €. Wenn du den Anwalt mit der ganzen Sache beauftragst: oft Pauschalpreis 250–400 €. Wichtig: spezialisierter Anwalt, nicht der allgemeine Rechtsbeistand. Die Verbraucherzentralen haben Empfehlungslisten.

Was ist eine modifizierte Unterlassungserklärung?

Eine entschärfte Version der Erklärung, die mit der Abmahnung mitkommt. Streicht überzogene Punkte (z.B. unklare oder zu weite Formulierungen). Wirkung ist gleich — der Abmahner muss sie aber akzeptieren. Macht ein Anwalt für dich.

Kann ich eine arbeitsrechtliche Abmahnung später anfechten?

Ja, bis ins Detail. Wenn der Vorwurf falsch oder zu unkonkret ist, kannst du Entfernung aus der Personalakte verlangen. Notfalls vor dem Arbeitsgericht. Eine entfernte Abmahnung kann nicht mehr für eine spätere Kündigung verwendet werden.

Mein Kind hat heruntergeladen — bin ich als Anschlussinhaber verantwortlich?

Komplizierte Frage, aber nicht automatisch ja. Üblicherweise kannst du Aufsichtspflicht erfüllt haben (Kind belehrt über Urheberrecht). Wenn ja, haftest du oft nicht persönlich, aber du musst angeben, wer es war — sonst Halterhaftung. Ein spezialisierter Anwalt ist hier sehr wichtig.

Habe ich eine bestimmte Frist?

Die im Brief gesetzte Frist ist meistens 1–2 Wochen. Innerhalb dieser Zeit kannst du zumindest geantwortet haben (oder den Anwalt antworten lassen). Wenn du gar nicht reagierst, beginnt das gerichtliche Verfahren — dann wird's deutlich teurer.